Stadt Olten (Mittwoch, 11. Dezember 2002)

Dona nobis pacem - schenk uns Frieden

St.-Martins-kirche Oltner Jodler und kroatische a-cappella-Volksensemble stimmten an Der Jodlerklub Säli Olten erfreute am Sonntagabend über 400 Menschen mit seinem traditionellen Adventskonzert. Dabei traten neben den Jodlerinnen und Jodlern ein männliches kroatisches a-cappella-Volksensemble und eine Gruppe Mundharmoniker auf. Ein kontrastreiches Programm!

Benildis Bentolila

Aus über vierhundert Kehlen erklang am Sonntagabend in der St.-Martins-kirche am Schluss des traditionellen Adventskonzerts des Jodlerklubs Säli Olten der Kanon zu drei Stimmen Dona nobis pacem. Die erste Stimme sang der Jodlerklub zusammen mit dem befreundeten a-cappella-Volksensemble Chorus Croaticus aus Bern. Für die zweite und dritte Stimme hatte Franjo Vugdelija, Leiter des kroatischen Chors, die Zuhörer des rechten und des linken Kirchenschiffs einbezogen. Mit der Bitte um Frieden wollte er einstimmen auf eine gesegnete und friedliche Weihnachtszeit. Er bat, kräftig mitzusingen, denn: Wir sind hier, um miteinander zu singen, nicht, um miteinander zu schweigen.Oder wie der Leiter des Jodlerklubs, Hans-Peter Banga, sich ausdrückte: Die ganze Welt befindet sich in der Krise. Damit wir Menschen uns trotz verschiedener Sprachen verstehen, gibt es die Musik.Schade, dass das Konzert vorbei ist», sagten viele Zuhörer, als sie sich nach gut eineinhalb Stunden zum Ausgang begaben. Ja, man hätte gerne noch mehr gehört von den 17 Jodlern und drei Solojodlerinnen, den neun in der Schweiz wohnhaften kroatischen Männern und Schwagers 21 Schnöregiegelern. Ein kontrastreiches Programm aus dem Bereich der Volksmusik. Fest standen die Schweizer und Schweizerinnen auf dem Boden, bewegten sich kaum, während sie unsere Berge, die unbeweglichen, besangen. Und das Alphorn, das während des Blasens ebenso fest auf der Erde liegt. Dann trat der Chorus Croaticus vor den Altar. Mit Ave Maria stiegen sie ein in ihren religiösen Teil. Stellvertretend für den Gepeinigten fragten sie darauf Puce moj, mein Volk, was habe ich dir getan, dass du mich ans Kreuz nagelst». Die Männer bilden während des Singens einen Kreis, schauen einander in die Augen, lächeln, wenn sie etwas Erfreuliches besingen, leiden, wenn die Lieder Schmerzliches beschreiben.
Als Kontrast zum Singen ertönten anschliessend aus 21 Mundharmonikas unter der Leitung des in Egerkingen wohnenden Willi Schwager sanfte, bekannte Weisen. Kaum hatten die Musizierenden den Gefangenenchor aus Nabucco angetönt, begannen die Leute mitzusummen. Erst zaghaft, dann immer mehr, bis die Kirche erfüllt war von einem Summen und Brummen, über dem die Töne der Schnöregiegen schwangen.
Die Kroaten traten an zu ihrem zweiten Teil, dem weltlichen. Franjo Vugdelija erklärte, in ihrem Land würden sie den gregorianischen Gesängen, die sie in der Kirche singen, draussen ganz frech weltliche Texte verpassen. So sangen sie jetzt nicht mehr von der Mutter Gottes Maria, sondern von Joi lipa Marijo. Oh, schöne Maria, Man brauchte die Worte nicht zu verstehen. Die Gesten und Mienen der Männer verrieten, dass sie eine rassige Schönheit, eine liebenswürdige junge Frau besangen. Dann erzählten sie vom wilden Wind, vor dem sich sogar die Seeleute fürchten, und später vom milden Wind, der die Segelschiffe vorantreibt. Auch hier: Ohne dass man die Worte verstand, hörte man den wilden Wind brausen und tosen und sah ihn Unheil anrichten. Danach das ruhige Meer, der Wind säuselte in den weissen Segeln, wurde etwas stärker, brachte das Boot vorwärts, näher ans Ziel.
Max Ris, Präsident des Jodlerklubs Säli, war zufrieden am Ende des Abends: Wir wollten einmal ganz anders auf die Weihnachtszeit einstimmen. Dem grossen Applaus der Zuhörer entnehme ich deren Begeisterung. Auch ich muss sagen, ich könnte den Kroaten stundenlang zuhören. Der Jodlerklub und die Berner Kroaten lernten sich letztes Jahr anlässlich der Firmung der kroatischen Katholiken kennen. Zu St. Urs und Viktor in Solothurn sangen sie abwechslungsweise kroatische Lieder und Jost Martis Jodlermesse. Im Januar dieses Jahres trat der Jodlerklub Säli als Gastverein am Jahreskonzert der Kroaten in Bern auf. Diese freundschaftliche Beziehung pflegen wir weiter», ist Max Ris überzeugt.
Beeindruckend Der Jodlerklub Säli Olten sang zusammen mit den Zuhörern den dreistimmigen Kanon Dona nobis pacem».